Sein Auftrag
Die Revolution hatte viele Erwachsene der Kirche entfremdet. Deshalb mußte er innerhalb der Marianischen Kongregation wieder beim Nullpunkt beginnen, und zwar bei der Jugend. Jedes Mitglied der Kongregation sollte in seiner Umgebung Apostel sein. So wurde diese Gemeinschaft eine Pflanzstätte für religiöse Berufe; sie stand in voller Blüte.
Daraus sollte nun eine Mannschaft von Dauermitgliedern entstehen oder, wie er sich ausdrückte, “ein Mann, der nicht stirbt”, ein religiöser Orden.
Der 2. Oktober 1817 war dann die Krönung seines Werkes, die Geburtsstunde der Ordensgemeinschaft der Marianisten. Schon ein Jahr vorher hatte er den weiblichen Zweig, die Marientöchter, gegründet. Der Stifter kannte die Denkweise und Bedürfnisse seiner Zeit. Er wollte sich aber nicht schon von Anfang an für eine bestimmte Apostolatsform entscheiden, die sich im Lauf der Zeit als unwirksam erweisen könnte. Einige Prinzipien schälten sich dennoch bald heraus:
Die Gesellschaft Mariä sollte aus Priestern und in der Überzahl aus Nichtpriestern aller Bildungsschichten bestehen.
Die Erziehung der Jugend, Exerzitien, Volksmissionen sowie Gründung und Führung der Marianischen Kongregationen sollten Hauptziel ihrer Tätigkeit sein.
Seine Ordensleute sollten kein eigenes Ordensgewand tragen, um so weder besondere Aufmerksamkeit noch Verdacht in jener schweren Zeit zu erregen.
So konnten sie unauffällig und bescheiden als Sauerteig in der Menge wirken. Auch eine besondere Rangordnung gab es nicht. Priester und Laien arbeiteten gemeinsam und gleichberechtigt an der gleichen Sendung. Alle Funktionen und Aufgaben sollten von jedem übernommen werden können, außer jenen des Generalobern. Er sollte immer ein Priester sein. Pater Chaminades Hauptanliegen bestand darin, den Glauben in Volk wieder zu verankern, “die Zahl der Christen zu vervielfältigen”. Deshalb mußte das Übel der religiösen Gleichgültigkeit möglichst umfassend bekämpft werden.
Die Umstände veranlaßten die Marianisten bald, Schulen zu übernehmen und zu Gründen: in Bordeaux, im Elsaß und anderen Teilen des Landes. Sie entwickelten eine neue Pädagogik, so dass ihre erzieherische Sendung wachsende Bedeutung erlangte und sich schließlich über die ganze Welt erstreckte. Erzieher sollten zu Aposteln erzogen werden. Überall entstanden nun Zentren christlicher Lehrerbildung, Schulen verschiedenster Art, von Grundschulen bis Universitäten. Deshalb wurden und werden die Marianisten oft als Schulorden bezeichnet. Tatsächlich arbeiten auch heute noch die meisten in Schule und Erziehung, aber “Wir gehen dorthin, wohin Gott uns ruft” (Chaminade).
Es gibt daher eine Vielfalt von apostolischen Werken und Arbeiten der Marianisten: Pfarrseelsorge, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Leitung von Akademien, Marianische Kongregationen, Bildungsarbeit auf Diözesanebene, Entwicklungshilfe, Missionen. In vier eigenen Universitäten wird wissenschaftliche Forschung betrieben . Die Universität Dayton (Ohio, USA) besitzt eine der größten marianischen Bibliotheken der Welt, wo die gesamte marianische Literatur gesammelt und geordnet wird. Die Marianisten trachten also danach, das Anliegen des Stifters zu verwirklichen, der oft gesagt hat:
“Wer den Glauben nicht weitergibt, der hat ihn selbst nicht.- Ihr seid alle Missionare- seid es!”